Diabetes-Risiko

Leistungsspektrum

Früherkennung des Diabetes und Prävention

Immer mehr Menschen werden an Diabetes mellitus erkranken, vor allem dem Diabetes mellitus Typ2. Die Häufigkeit nimmt weltweit stark und rasch zu. Im Jahr 2007 litten allein in Deutschland 7,2 Millionen Menschen an dieser Krankheit. Die Dunkelziffer wird auf zwei bis drei Millionen erkrankter, aber noch nicht diagnostizierter Menschen geschätzt.Jeden Tag erkranken in Deutschland 1.000 weitere Bürger an Diabetes mellitus. Besondere Sorgen macht, dass immer mehr immer jüngere Menschen an Diabetes mellitus erkranken – und zwar beileibe nicht nur am Typ 1 Diabetes! Jährlich erkranken z.B. 210 Menschen im Alter von unter 19 Jahren allein in Deutschland an Typ 2 Diabetes mellitus.

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Als Ursache wird angenommen, dass die genetische Veranlagung häufig ist. Die Erkrankung kommt aber wegen zweier Faktoren zunehmend „zum Ausbruch“: Bewegungsarmut und ungesunde Ernährung. Wir leben im Zeitalter der technischen Revolution und des Computers, die beide zu immer stärkerer Bewegungsarmut führen. Gleichzeitig wird zunehmend ungesunde Nahrung – reich an Fett und leicht zu entschlüsselnden Kohlenhydraten – konsumiert. Übergewicht und Mangel an Bewegung markieren die kritischen Schritte in der Entwicklung vom lediglich genetisch Prädisponierten zum manifesten Diabetiker. Das höhere Lebensalter, das der Erkrankung früher auch die fälschliche Bezeichnung „Altersdiabetes“ eintrug, verliert seine Bedeutung als Risikofaktor.
Auf diesem unheilvollen Weg werden aber bereits Erkrankungen ausgebildet, die das spätere Schicksal des Typ 2 Diabetikers negativ beeinflussen können. An erster Stelle ist die Verhärtung und Verkalkung der großen Gefäße bereits vor der Manifestation des Diabetes mellitus zu nennen. Dies kann Herzinfarkte, Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen vor allem der Beine zur Folge haben. Gleichzeitig stellen diese Folgeerkrankungen dann aber diagnostische Hinweise auf den zugrundeliegenden Diabetes mellitus dar.

Die Diabetologie setzt es sich zur Aufgabe, anhand der geschilderten Risikofaktoren und diagnostischen Hinweise einen bislang nicht bekannten manifesten oder drohenden Diabetes mellitus möglichst frühzeitig zu diagnostizieren.

Denn es gilt:

  • Der Entwicklung eines Diabetes mellitus (Typ 2) durch Änderung der bewegungsarmen Lebensweise – also: mehr Bewegung im Alltag, mehr Spazierengehen, vielleicht auch mehr oder überhaupt Sport – zu begegnen. Gegebenenfalls und erst in zweiter Linie ist die Therapie durch bestimmte Medikamente zu ergänzen.
  • Ein bereits manifester Diabetes mellitus ist durch dieselben Maßnahmen in den Griff zu bekommen.
  • Je früher ein Diabetes mellitus erkannt wird, um so wirkungsvoller einem weiteren Verlust an Insulin-produzierenden Zellen und der Entwicklung der gefürchteten Folgekomplikationen entgegen getreten werden.

Von diesen Komplikationen des Diabetes mellitus müssen neben den bereits genannten Erkrankungen der großen Gefäße (Makroangiopathie) unbedingt folgende der eher kleinen Gefäße (Mikroangiopathie) angesprochen werden:

  • die diabetische Retinopathie - Netzhauterkrankung bis hin zur Erblindung.
  • die diabetische Neuropathie - Nervenerkrankung mit belastenden Schmerzen bzw. Miss- oder fehlendem Empfinden bis hin zu schmerzlosen Geschwüren an den Füßen (diabetischer Fuß).
  • die diabetische Nephropathie - Nierenerkrankung bis hin zur Dialysepflicht.

Auch für diese Komplikationen gilt: Je früher erkannt, desto besser! So kann ein weiteres Fortschreiten verzögert und ein Erreichen der geschilderten Endpunkte verhindert werden. Durch eine möglichst gute Diabeteseinstellung, vorzugsweise durch Insulin, den Verzicht auf Rauchen sowie eine enge Anbindung an Augen- oder Nervenarzt oder den Nierenspezialisten (Nephrologen). Das Marienhospital arbeitet mit diesen Spezialärzten zusammen. Der Diabetologe ist selbst auch Nephrologe, so dass der Erkennung und Einleitung einer adäquaten Therapie der diabetischen Nephropathie in unserem Hause in besonderer Weise Beachtung geschenkt wird.

Besonderheit des Diabetikers im Krankenhaus

Der diabetische Patient bedarf bei der Behandlung einer Erkrankung einer spezifischen Versorgung. Bei Patienten mit normalen oder nahe normalen Blutzuckerwerten treten zum Beispiel seltener Infektionen auf, heilen Wunden rascher, werden Operationen besser und schneller überstanden und steigt die Wahrscheinlichkeit, eine intensivstationspflichtige, also sehr schwere Erkrankung zu überleben.
Als Ergebnis einer Berücksichtung des Diabetes mellitus kann auch eine kürzere Dauer des Krankenhausaufenthaltes erreicht werden.
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Als seit 2002 DDG-zertifizierte Einrichtung - die dritte Rezertifizierung als "Behandlungseinrichtung für Typ 2 Diabetiker" (Stufe 1) erfolgte Anfang 2016 - hat das Krankenhaus am Standort Steinfurt diesen Erkenntnissen schon seit vielen Jahren Rechnung getragen. Die Diabetologie ist seit dem 1.7.2005 Schwerpunkt in der Inneren Medizin. Orientiert am jeweils aktuellen, sich ständig ändernden Wissensstand soll die Versorgung unserer Diabetespatienten ständig weiter verbessert werden. Dazu dienen das Erstellen von Standards und die laufende innerbetriebliche Fortbildung.

Bei diabetischen Patienten ist die Diabetologie beteiligt an

  • der prae- und perioperativen Versorgung (vor und im Verlauf einer Operation)
  • der Auswahl und dem Absetzen bestimmter Medikamente.
  • der raschen Umstellung der Therapie bei schweren Erkrankungen, insbesondere
    • für eine zunächst vorübergehend geplante Insulintherapie zur Prognoseverbesserung.
    • zur Optimierung einer vorbestehenden, im aktuellen Krankheitsverlauf aber nicht ausreichenden Diabeteseinstellung.

Besondere Erwähnung verdient ein Krankheitsbild: das diabetische Fußsyndrom. Die Patienten werden mit der federführenden gefäßchirurgischen und angiologischen Abteilung diabetologisch mitbetreut. Dies kann im Einzelfall auch ambulant erfolgen.

Die Therapie besteht, unabhängig vom jeweils zugrunde liegenden Diabetes-Typ, in einer den individuellen Lebensumständen entsprechenden Änderung der Lebensweise (was Diät im Wortsinne bedeutet), der Ernährung zusammen mit einer angemessenen körperlichen Belastung, auch durch Sport. Unsere Schulungen sollen die Patienten ihren Möglichkeiten und Wünschen entsprechend in die Lage versetzen, mit der Erkrankung selbständig umzugehen. Hierzu gesellt sich meist eine dem relativen oder absoluten Insulinmangel begegnende pharmakologische Intervention (zum Beispiel Tabletten oder Spritzen von Insulin).

Psychosoziale Angebote für Diabetiker

Krankheit und Aufenthalt im Krankenhaus sind für Jedermann eine starke emotionale Belastung. Gerade für Patienten mit einer chronischen Erkrankung ergeben sich Veränderungen der gesamten bisherigen Lebenssituation. Es resultieren oft drängende Fragen und Besorgnisse, aber auch Konflikte und Krisen, bis hin zu Depressionen. Schätzungen zufolge leidet jeder vierte Betroffene an depressiven Symptomen und jeder achte an einer oft unerkannten Depression.
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Eine Diabetestherapie oder eine Diabetes-Neueinstellung im Krankenhaus ist nur so gut wie ihre Umsetzung zuhause. Und die ist für behinderte, alte, alleinstehende oder nicht zuverlässig zur Mitarbeit befähigte Patienten so manches Mal eine Heraus- und oft genug eine Überforderung. Aus allen diesen Gründen ist die enge Zusammenarbeit von Diabetologen, Diabetes- und Diätberatung mit dem Sozialdienst von herausragender Bedeutung.

Die Mitarbeiter unseres Sozialdienstes können bei der Krankheitsbewältigung unterstützen, z.B. in Form einer psychosozialen Beratung und Betreuung. In Gesprächen, auch unter Einbeziehung der Familie, werden die befürchteten oder möglichen Auswirkungen auf Partnerschaft und Beruf thematisiert. Die Sozialarbeiter beraten auch bei sozialen, sozialversicherungsrechtlichen und wirtschaftlichen Fragen. Für Diabetiker stellt sich oft die Frage nach einer Heilmittelkostenbefreiung. Über ambulante Hilfen können die Möglichkeiten geschaffen werden, das Insulin-Spritzen und das Blutzuckermessen bis zu dreimal täglich oder das Anliefern einer geeigneten Kost zuhause zu gewährleisten.

Obwohl die vollständige und uneingeschränkte Teilnahme am öffentlichen und beruflichen Leben im Sinne der maximalen Lebensqualität Ziel der Diabetestherapie ist, stellen sich oft genug Fragen der Rehabilitation, Rente, Pflegeversicherung und Behandlungspflege, oder nach Antrag auf Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises, nach Blindengeld, nach Vermittlung und Organisation von Pflegemitteln. Schließlich helfen die Mitarbeiter unseres Sozialdienstes bei der Vermittlung von Kontakten mit Sport- und Selbsthilfe-Gruppen für Diabetiker oder Beratungsstellen und Behörden.

Ansprechpartner:

Diabetologie
Krankenhaus Steinfurt
Mauritiusstr. 5
48565 Steinfurt

Chefarzt
Dr. med. Bernd-Walter Bautsch

Tel.: 02552 79-1226
Fax: 02552 79-1181